Aufzuchtsstation entsteht am Mauerfuß der Hasper Talsperre

Torsten Beringhaus,
Hagener Rundschau,
20. November 2001

Dr. Rainer Hagemeyer hat einen Traum. „In zehn Jahren ziehen Lachse wieder die heimischen Flüsse hinauf“, verspricht Vize-Präsident des Fischereiverbandes NRW.

Zu den Laichstellen an Volme und Lenne, Ennepe und Ruhr sollen die Fische dann zurückkehren. Gestern wurden Grundlagen geschaffen. Am Mauerfuß der Hasper Talsperre in Hagen entsteht eine Lachs-Aufzuchtstation.

Die Blechhütte unterhalb der Hasper Talsperre wird mit einer Alarmanlage gesichert. „Hier lagert unser genetischer Schatz“, sagt Rainer Hagemeyer. Der Vizepräsident der NRW-Fischer spricht von vier Lachsweibchen, die in großen grünen Bottichen schwimmen. Beladen mit tausenden Eiern haben die Tiere einen langen Weg hinter sich. Ausgesetzt vor vier Jahren in der Sieg sind sie die Flüsse abwärts bis in Nordsee und Nordatlantik geschwommen. Und jetzt wieder zurückgekommen.

2001_westf_rundschauLachszuchtprofi Firzlaff (re.) Und Lachswart Niederstebruch präsentieren ein Lachsweibchen.

50 Tiere sind bisher in diesem Jahr in der Fangstation Buisdorf aus der Sieg geholt worden.

Symbolcharakter
Die eingesetzten finanziellen Mittel halten sich derweil in Grenzen. Etwa 20 000 Mark pro Jahr müsse das Unternehmen derzeit aufwenden. Dafür bekäme man mit dem Lachs ein Tier zurück in die Region, das Symbolcharakter habe. Der Lachs steht für sauberes Wasser, für Umweltschutz, für barrierefreie Flüsse und für ein starkes Lebensgefühl, sagt Stadtwerke-Vorstand Alfred Böhm.

Neuankömmlinge
Er war gestern selbst vor Ort, um die Neuankömmlinge in Augenschein zu nehmen. Auf den vier Sieg-Lachsen und einem guten Dutzend weiterer Tiere ruhen die Hoffnungen der Züchter. Die Tiere werden gestreift und die so gewonnenen Eier in einem Behälter befruchtet, erklärt Dr. Hagemeyer. Anschließend lagert die Brut etwa zweieinhalb Monate in Brutkästen.

Ständig durchspült klares Talsperrenwasser die Kästen. Die weitere Aufzucht erfolgt in offenen Bottichen, bevor die Jungtiere in den heimischen Flüssen ausgesetzt werden. Mit den April-Hochwassern werden sie ihre Reise nach Norden beginnen, sagt Vizepräsident Hagemeyer. Er weiß, dass noch große Anstrengungen nötig sind, bevor die Wanderrouten der Fische barrierefrei sind und Lachse in größerer Anzahl zurück nach Südwestfalen schwimmen. Aber an der Hasper Talsperre schaffen wir dafür gerade die Grundlagen. Und in zehn Jahren laichen die Lachse in Volme, Ennepe, Lenne und Ruhr.