Sicherlich bald touristische Attraktion

Westfälische Rundschau,
9. Januar 2005
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Hagen. (BR) Hochbetrieb am Wochenende an der Hasper Talsperre: Während im Lachszentrum rund 80 freiwillige Helfer aus der gesamten Bundesrepublik und sogar aus Frankreich und den Niederlanden 120 000 einjährige Jungfische sortierten und markierten, diskutierte im Sitzungszimmer des Wasserwerks eine internationale Expertenrunde, wie die Wiedereinführung der Lachse im Flusssystem des Rheins erfolgreicher gestaltet werden kann.

Vor vier Jahren wurde das „Lachszentrum Hasper Talsperre“ gegründet. Seit drei Jahren werden dort in der Sohle der Sperrmauer Eier ausgebrütet und anschließend in den Rundbecken der großen Zeltanlagen Jungfische herangezogen. Auch in diesem Frühjahr werden wieder rund 120 000 einjährige Lachse in den Nebenflüssen des Rheins ausgesetzt. Vorwiegend in der Sieg, die eine Vorreiterfunktion im Lachsprogramm einnimmt, aber auch in der Ruhr.

Samstag und Sonntag galt es, die Fische der Größe nach zu sortieren und an der Fettflosse zu markieren, um sie bei der Rückkehr in zwei Jahren wiedererkennen zu können.

Kescher um Kescher wanderten die Lachse in kleine Bottiche, um nach der Prozedur wieder in die großen Becken zurückzukehren.

Sie werden im Frühjahr ausgesetzt, um dann der Natur folgend den Rhein hinab in die Nordsee und den Atlantik bis nach Grönland zu schwimmen. Im laichfähigen Alter von drei Jahren kommen sie dann wieder in die Flüsse, aus denen sie stammen.

Mit der Rückkehr allerdings gibt es enorme Probleme. Dr. Rainer Hagemeyer, Vorsitzender des westfälisch-lippischen Landesfischereiverbandes, sowie Initiator und Motor des Lachszentrums Hasper Talsperre: „Es kehren viel zu wenig Lachse in ihre Laichgebiete zurück. Das scheint vor allem an der Überfischung im Mündungsbereich des Rheins, an Wasserkraftanlagen und an der weiter fehlenden Durchgängigkeit des Rheins und seiner Nebenflüsse zu liegen.“

Um hier auf Abhilfe zu dringen, hatte der Hasper Experten aus allen Anliegerstaaten an die Talsperre geholt. Gemeinsam wurde ein Forderungskatalog aufgestellt, um die Rückkehrchancen der Lachse zu erhöhen.

Über die Bedeutung des Zentrums informierten sich am Samstag unter Leitung von Oberbürgermeister Peter Demnitz auch die Mitglieder des Ältestenrates und des Umweltausschusses der Stadt sowie der Fachämter. Sie zeigten sich von der Anlage begeistert, lobten ihren wichtigen Umweltbeitrag und auch ihre Werbewirkung für die Region. Umweltdezernent Dr. Christian Schmidt fand lobende Worte: „Das Zentrum ist schon eine bekannte Einrichtung für die Experten und kann auch eine touristische Attraktion werden.“